Nach etwa 20 km fiel das Hinterrad von Willi van der Sande bereits den belgischen Straßenverhältnissen zum Opfer. Da die Reihenfolge der Begleitfahrzeuge nicht ausgelost wurde, sondern in der Rangliste der belgischen Teams vergeben wurde, war der Teamwagen so ziemlich an letzter Position angesiedelt und schnelle Hilfe bei Defekt eigentlich unmöglich. Die kam aber von Teamkollege Florian Otto, der dem starken Bergfahrer sofort sein Hinterrad zur Verfügung stellte und selbst dann auf Ersatzmaterial vom Wagen wartete. Während Nils Wlotzka sich zurückfallen ließ und Willi wieder nach vorn ins Feld fuhr, schaffte Florian ebenfalls im Tross der Begleitwagen wieder den Anschluss ans Feld.Im Verlaufe des Rennens sprengte sich das Feld in verschiedene Gruppen. Willi erwischte gemeinsam mit dem Juniorenweltmeister die erste Verfolgergruppe, die Jagd auf keinen geringeren als den belgischen Meister machte.
Patrick Oeben, Christoph Schübbe und bis Kilometer 90 auch Florian Otto fanden sich in der 3. Verfolgergruppe wieder. Während Christoph kurz vor Ende des Rennens noch den Sprung in die 2. Gruppe schaffte, fuhr Patrick das Rennen in seiner Gruppe zu Ende. Florian hatten die Aufholjagd und die steilen, langen Anstiege zuviel Körner gekostet; er musste nach vorbildlicher Mannschaftsarbeit reißen lassen. Nils, der sich ¾ des Rennens richtig gut fühlte und Willi in den entscheidenden Momenten einige Male nach vorne gefahren hatte, musste sich ebenfalls dem anspruchsvollen Kurs geschlagen geben.
Willi kämpfte derweil im Schlussanstieg über Kopfsteinpflaster und einer Steigung von 18 % um die Positionen. Er bewies wie in den Wochen zuvor schon, in denen er immer wieder zur Vorbereitung die schweren Rennen in Belgien vorgezogen hatte, über welche Kletterqualitäten er verfügt und kam zeitgleich mit dem 10. Platzierten auf einem überragenden 11. Platz ins Ziel.
Christoph wurde 33. gefolgt von Patrick auf Platz 59. Lediglich 106 von 160 gestarteten Fahrern erreichten die Ziellinie. Cheftrainer Hans-Peter Nilges blickt zuversichtlich auf die Deutsche Bergmeisterschaft am kommenden Samstag. Sein Fazit am Ende dieses schweren Renntages war: „Alle haben gut gearbeitet und sind sehr gut gefahren. Wer hier ins Ziel gekommen ist, der kann richtig Radfahren.“
Jan Radermacher gehört ebenfalls zum Kader der Athleten, die am Freitag nach Sachsen reist, um die schwere Meisterschaftsrunde mit dem 1 km langen und giftigen Anstieg, in Angriff zu nehmen. Da er aber erst seit gut einer Woche wieder von der Junioren WM aus Moskau zurück ist, nahm er den Rat von Trainer Hans-Peter Nilges an und verzichtete zugunsten einer vernünftigen Vorbereitung auf den Start in Belgien. Der Büttgener Junior tauschte in Stolberg-Gressenich den flachen Parkettboden, auf dem er über viele Wochen im Rahmen der WM-Vorbereitung zu Hause war, gegen den hügeligen schwarzen Asphalt und stimmte sich hier wieder auf die Straßenrennen ein.
Es war eine gute Entscheidung, denn er fuhr auf Anhieb auf Platz 5. Das Rennen gestaltete sich von Beginn an sehr schnell und ständig gingen kleinere Gruppen. Nach ca. 1/3 des Rennens auf anspruchsvollem und nie wirklich flachem Kurs, setzten sich zwei Fahrer erfolgreich ab, so dass es im Endspurt um Platz 3 ging. Jan wurde 3. vom Hauptfeld und damit Gesamtfünfter. Während Daniel Scherring in Stolberg ebenfalls als 14. eine solide Leistung ablieferte, wurde David Herrmann aufgrund eines Defektes schon früh am Weiterfahren gehindert.

©Ingrid Oeben